der Versuch einer Rezension, vor etwa 5 jahren verfasst

 

Die EAL-Leserrezension. Hannes Wader – Nah dran

nahdran

Hannes Wader ist im vorigen Jahr 70 geworden, das ist natürlich die Gelegenheit, eine Bilanz seines Lebens zu ziehen – mit dieser CD ist ihm das gelungen. Man muss sich die Lieder anhören, natürlich mehrmals, nach jedem Hören findet man neue Facetten, die einem gefallen. Und die vielleicht auch nachdenklich machen über die Endlichkeit des Lebens. So wird es ihm auch ergangen sein, als er diese Lieder aufnahm. Besonders das erste – „Dass wir so lange leben dürfen“ – und das letzte Lied – „Lied vom Tod“ – gefallen mir persönlich am besten. Man spürt, dass er sich Gedanken gemacht hat, auch über den Tod. Wader hat ja immer schon, auch in den Bellman-Liedern, viel vom Tod gesungen.

Den Begleittext des letzten Liedes möchte ich hier noch einfügen. Zitat Hannes Wader:

„Nichts von dem, was ich eigentlich vorhatte, habe ich erledigt: noch keine Patientenverfügung beantragt, mir noch keine Handfeuerwaffe besorgt (für Freitod im Alzheimerfall) usw. Ob ich in die Urne will oder im Ganzen beerdigt werden, und wo,  weiß ich immer noch nicht. Stattdessen habe ich angefangen, dieses Lied vom Tod zu schreiben und kann nicht mehr damit aufhören. Ein Thema, das mich offensichtlich sehr beschäftigt. Aus Angst vorm Sterben ? Kann sein, mir egal. Mittlerweile gibt es 21 Strophen, von denen ich hier aber nur 10 singen werde. Was mache ich mit den restlichen Versen ? – Ich weiß es noch nicht. Schau’n wir mal…..“

Alles in allem ist ihm mit dieser CD wieder ein Highlight gelungen, von dem sich viele der jungen Leute, die in der Musikbranche Fuß fassen wollen, eine Scheibe abschneiden können. Sie sollen sich die CD einmal anhören und dann überlegen, ob sie immer noch auf dem richtigen Weg sind.

Ich habe schon viele gehört, die an ihn, Hannes Wader, niemals heranreichen können.

Die Lieder in der Einzelbetrachtung:

01: Daß wir so lange leben dürfen……,

In diesem Lied beschreibt er, dass man so lange leben darf, trotz Schnaps, Bier und andere ungesunde Substanzen, dass man auch im Alter noch kämpfen kann, wenn auch oft vergebens und die Welt trotz alledem nicht verändern kann.

(Musik: Hannes Wader, Text: Manfred Hausin)

02: Ich werd es überstehn (Last Thing On My Mind)

Hier geht es um eine Beziehung, die nicht gehalten hat. Sie hat ihn verlassen, weil sie bei ihm nicht fand, was sie finden wollte und was ihr fehlt. Er bleibt allein zurück, wird es aber überstehn, wie er sagt. Das Lied ist schon im Original in den siebziger Jahren gesungen worden von Tom Paxton.

(Musik und Originaltext: Tom Paxton, Deutscher Spezialtext: Hannes Wader)

03: Nah dran

Nah dran ist die Krönung des Ganzen. Ein Lied zum Lachen, es ist auf die Jugend zugeschnitten, die ihre speziellen Ausdrücke hat, und das kommt hier zum Tragen. Hannes beschreibt, wie er versucht hat, an Frauen ranzukommen und dass es ihm nicht gut gelungen ist, weil er sich hässlich fand, hat auch deshalb angeblich angefangen Gitarre zu spielen, um mehr Erfolg bei den Mädchen zu haben, das kann man glauben oder auch nicht. Ich denke eher, er hat sich einen Spaß erlaubt mit dem Lied, welches supergut gelungen ist.

(Musik und Text: Hannes Wader)

04:  Der Drachen

Der Drachen ist ein Lied, das an seine Kinderzeit in Bielefeld (Gadderbaum) erinnert, damals wurden im Herbst die Drachen noch selbst gebaut, heute kann man sie fertig in jedem Spielzeugladen kaufen. Eine Erinnerung auch an den Vater, der ja früh verstorben ist.

(Musik und Text: Hannes Wader)

05: Boulevard St. Martin

Boulevard St. Martin sollte man sich selbst anhören, es ist schwer zu beschreiben, es geht um Kriegszeiten, um das von Nazis besetzte Frankreich, um Widerstand und Gestapo, ein dunkles Kapitel.

(Musik und Text: Hannes Wader)

06: Die welken Blätter (Les feuilles Mortes)

Dieses Lied ist schon fast 70 jahre alt und wurde interpretiert von unter anderem: Yves Montand, Edith Piaf, Juliette Greco, Dalida, Charles Aznavour, Serge Gainsbourg, Eric Clapton, Marlene Dietrich, Patricia Kaas, Frank Sinatra und einigen mehr – und jetzt Hannes Wader.

(Musik: Joseph Kosma, Originaltext: Jacques Prevert, Dt. Spezialtext Hannes Wader)

07: Mahlzeit

Es geht darum Vegetarier zu sein oder zu werden, wenn man sich die Massentierhaltung ansieht, wie Tiere leiden müssen, nur damit man sein Stück Fleisch auf dem Teller hat. Tiere werden an den Hinterbeinen aufgehängt und bei lebendigem Leibe gehäutet. Wenn man das liest, wenn täglich neue Horrormeldungen bekannt werden, muss man sich verweigern und kein Fleisch mehr essen. Dieses besingt Hannes in dem Lied. (Er hatte schon mal ein ähnliches vor vielen Jahren auf einer CD, das Lied heißt „Schlachthof“ und ist nicht weniger trostlos.)

(Musik und Text: Hannes Wader)

08: Jeder Traum

Auf seiner letzten, 3 Jahre vor seinem Tod aufgenommenen CD „Dreizehnbogen“ singt Franz-Josef Degenhardt dieses Lied, der Text ist von Louis Fürnberg, ein in der ehemaligen DDR anerkannter Dichter.

(Musik: Franz-Josef Degenhardt, Text: Louis Fürnberg)

09: Alter Freund

Ein Lied, geschrieben für Franz-Josef Degenhardt, der es gesungen nicht mehr gehört hat, den Text hat er noch gelesen, die Vertonung hat er auch noch bekommen, aber Wader konnte es ihm nicht mehr vorsingen. Inhaltlich wird ein neu gepflanzter Kirschbaum beschrieben, der auch für neues Leben stehen könnte.

(Musik und Text: Hannes Wader, geschrieben für Franz-Josef Degenhardt, von Freunden Karratsch genannt, der im November 2012 verstarb.)

10: Seit Ewigkeiten (To Everything There Is A Season)

Seit Ewigkeiten sehn, sehn, sehn, und unsre Welt sich drehn, drehn, drehn, die Zeit zu werden, die Zeit zu vergehn, die Zeit zu ernten, die Zeit zu säen, die Zeit der Freude, die Zeit des Leids, die Zeit des Lachens, die Zeit des Trauerns, die Zeit zu bauen, die Zeit zu zerstörn. Die Zeit des Duldens, die Zeit sich zu empörn, die Zeit zu kämpfen, die Zeit zu fliehn, die Zeit zu hassen, die Zeit zu lieben…….

(Musik und Originaltext: Pete Seeger, Deutscher Spezialtext Hannes Wader)

11:  Was keiner wagt

Wader singt ein Lied von Konstantin Wecker, sie haben zusammen mehr als 100 Konzertauftritte gehabt, und das Lied hier hat er aufgenommen in sein Repertoire.

(Musik: Konstantin Wecker, Text: Lothar Zenetti)

12: Lied vom Tod

Refrain: „Nein: ich will euch noch nicht verlassen, doch mich mit der Endlichkeit mal gedanklich zu befassen, wird für mich so langsam Zeit.“

(Musik und Text: Hannes Wader)

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